Am 25.03.2022 veröffentlichten DJ Robin und Schürze den Track Layla zusammen mit dem Laben Summerfield Records. Unter Anderem Würzburg und Düsseldorf haben das Abspielen des Tracks mittlerweile untersagt. Die Erklärung: Layla sei sexistisch und diskriminierend.

Der Text des Anstosses

Die folgenden Textzeilen, so die Erklärung für die Verbote, seien frauenfeindlich und diskriminierend:

Ich hab’ ‘nen Puff und meine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler

https://www.lyricfind.com/

Im Verlauf wird mehrfach darauf hingewiesen, wie schön, jung und geil Layla doch sei. Auch wird sie an einer Stelle des Liedes als Luder bezeichnet. Alles in Allem sicher nicht die schönste Beschreibung, die man sich als Frau wünschen kann. Aber wirklich verbietenswert sexistisch und diskriminierend? Ich kann mich nicht an Abspielverbote für Sidos “Arschficksong” erinnern. Tagtäglich trällert der “Neue Deutsche Hip Hop” in den Charts wesentlich Verbotswürdigeres vor sich hin, ohne, dass es jemanden kümmern würde. Katja Krasavice räkelt sich mit gefühlten 17kg Silikon pro Brust, 5kg Collagen in den Lippen und mit einem Hauch von Nichts bekleidet in ihren “Musik”-Videos und rappt darüber, was für eine Bitch sie doch sei. Anzahl krähender Hähne: 0.

In der Zwischenzeit hat Layla die Nummer 1 der Deutschen Singlecharts belegt. Der Wirbel um den Track hat dem Track nicht geschadet, im Gegenteil. In Düsseldorf suchen sich findige DJs gar Tricks, um den Track trotz Verbot abspielen zu können. Man könnte sogar die Vermutung anstellen, dass er nur dieses Wirbels wegen so erfolgreich ist, denn musikalisch anspruchsvoll ist der Partyschlagerhit Layla nun beim besten Willen nicht. Er ist noch nicht einmal etwas Besonderes: musikalisch folgt er einem starren, altbewährten Schema, dem jeder “Popsong” der Neuzeit folgt. Er muss aber auch gar nicht anspruchsvoll sein. Partyschlager und Bierzeltmucke haben andere Zielsetzungen: Text und Rhythmus müssen auch bei 2 Promille noch sitzen!

Wie funktioniert Layla musiktheoretisch?

Der Track ist so anspruchslos, wie er nur sein könnte. Nein, wirklich. Musikalisch ist Layla geradezu schrecklich banal und baut auf einem sehr simplen Trick auf: man nutzt einfach, was schon immer funktioniert hat. Die Akkordfolge ist simpel und folgt dem Schema der berühmten 4-chord-songs. Über einem mit 140 BPM schon eher schnelleren Beat wechseln sich die ganze Zeit Lang G-Moll, Es-Dur, Bb-Dur und F-Dur ab.

Simple Chord Progression: ||: g | Es | Bb | F :||

Die Melodie ist auch nichts Besonderes. Sie folgt dem guten alten Ratschlag “Hangel dich halt an den Tönen deiner Chord-Progression entlang, dann kann schon nichts schiefgehen.”.

Viel kann man nicht falsch machen: die Töne hangeln sich alle an den Akkorden entlang, gar nicht viel herumexperimentieren.

Der Rest ist schlicht und ergreifend aus dem Lehrbuch Schlager/EDM 101 – Beats für Angefangene. Ein paar Phaser hier, ein bisschen Automation da, den stampfenden Beat mit simplem 4 on the floor und gefügigem Off Hat und der Snareclap auf 2 und 4, fertig ist das Schlagertier. Warum der Track ins Ohr geht? Das liegt an genau den vorausgehend geschilderten Grundbausteinen. Musik, die so aufgebaut ist, ist eingängig. Anspruchslos, aber bleibt hängen. Das ist die halbe Miete. Die andere Hälfte hat dann der vermeintlich schlüpfrige Text erledigt.

Gar nicht mal so schwierig…und fix

Dabei braucht das auch gar nicht lange. Einen Partyschlager, der diesem simplen Rezept folgt, hat man in 30-60 Minuten geschrieben und in weiteren 120 Minuten produziert und abgemischt. Viel länger dürfte man kaum brauchen, immerhin sind ja weder Text noch Musik besonders anspruchsvoll. Der Rest der Dauer bestimmt sich dann daraus, wie gut man sich mit seiner DAW auskennt und wie schnell man beim Mischen ist.

Als proof of concept möchte ich Ihnen an dieser Stelle “Mein Koch, der Rainer” vorstellen. Der Ausschnitt enthält nur den Refrain (die sog. Hook). Gemacht war das in 15 Minuten. Der “Text” nahm dann nochmal 5 Minuten in Anspruch. Das mag albern erscheinen, aber schauen Sie sich doch mal das Genre “Partyschlager” an. Genau so funktioniert das. Meinen “Gesang” habe ich uns allen an der Stelle erspart, aber Sie können sich das ja selbst vorsingen.

Ist Layla denn nun böse oder nicht?

Entscheiden Sie das am Besten selbst. Bedenklich ist allerdings, wie absurd niedrig wir im Namen der Antidiskriminierung die Messlatte nun zum Teil hängen. Und dabei sind wir noch nicht einmal konsequent. Wie gesagt, Sie werden – völlig ohne Mühe – in den Charts eine ganze Menge Tracks finden, deren Text wirklich diskriminierend ist. So gut wie jeder Deutsche Hip Hop Track ist um Längen schlimmer, aber nicht mit Abspielverboten belegt. Und dann haben wir noch gar nicht über englischsprachige Lieder gesprochen. Oder über schrecklich schlüpfrige Deutsche Poesie von vor 300 Jahren.

Man kann und soll von Partyschlager halten, was man möchte. Mein Fall ist er mit Sicherheit auch nicht. Aber dass wir gerade ernsthaft keine anderen Themen haben, als die Puffmama Layla, spricht eine deutliche Sprache und zeigt, wohin die woke Reise geht. Solange Kunst keine gravierenden Rechtsverletzungen enthält oder fördert, sollten wir sie einfach sein lassen, wie sie ist. Egal, wer sich davon eventuell getriggert fühlen könnte.

DJ Robin und Schürze wird der Trubel indes freuen. Ein Nummer 1 Hit, der ohne Hilfe der verbietenden Gemeinden vermutlich keiner gewesen wäre. Und wie man den Kindergarten in einer Weltsituation, in der wir Krieg in Europa haben und nach wie vor eine Pandemie, einordnen möchte, frage ich am Besten gar nicht erst.

Von badidol

badidol wurde 1981 geboren. Er arbeitet seit fast 20 Jahren im und am Internet als Community Manager (fast 15 Jahre beim selben Arbeitgeber), Social Media Manager, Moderator und verkauft dabei Eskimos Kühlschränke. Er spricht fließend Sarkastisch. In der Jugend linke Socke, als junger Erwachsener eher sozialliberal und mittlerweile von konventionellen Schubladen genervt. Atheist, Pragmatiker und Realist.

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