Duschen gehört für die meisten von uns zu den täglich wiederkehrenden Ritualen, die aus unserem Alltag nicht wirklich wegzudenken sind. Doch ist tägliches Duschen eigentlich notwendig? Ist es gesund, täglich zu duschen? Stinkt man unweigerlich, wenn man mal einen Tag nicht duscht?

Grundsätzlich ist unsere Haut gar nicht dafür ausgelegt, zu ausgiebig, häufig und gründlich gereinigt zu werden. Noch vor rund 50-60 Jahren gab es in den meisten Haushalten noch den “Badetag”.

#1 Mietfrei, aber zahlreich

Mikrobiom der Haut. Grafik: Mathias Reiher, Helmholtz Munich

Auf unserer Haut leben unzählige Bakterien. Bevor Sie jetzt ganz laut “Igitt!” rufen: das hat so schon seine Richtigkeit. Unsere Haut ist ein sogenanntes Mikrobiom; sie bietet unzähligen Bakterien und Mikroorganismen einen Lebensraum und diese zeigen sich dafür erkenntlich und erledigen wichtige Aufgaben. Dabei sind diese erwünschten Mikroorganismen auch, im weitesten Sinne, Teil unseres Immunsystems: zusammen mit anderen Faktoren sind sie für einen gleichbleibenden pH-Wert unserer Haut zuständig, der wiederum einen Schutz gegen unerwünschte Bakterien und Pilze bietet. Zu häufiges, langes und warmes Duschen kann diese Hautflora erheblich stören. Diese Bakterien sind zudem ganz schön zahlreich: bis zu 100 Billionen davon tummeln sich auf unserer Haut.

#2 Ganz schön sauer

Unsere Haut setzt sich aus mehreren Schichten zusammen. Auf der obersten Schicht befindet sich ein Schutzfilm, der aus Talg/Ölen, gesunden und erwünschten Bakterien und auch Schweiß besteht. Dieser Schutzfilm ist gut und gewollt, er schützt vor der Vermehrung unerwünschter Bakterien und Pilze. Dieser Schutzfilm ist grundsätzlich leicht sauer mit einem pH-Wert zwischen 4,8 und 5,5. Zu häufiges Duschen und die Nutzung von Seifen und Duschgels, die diesen pH Haushalt stören, kann dieses Gleichgewicht sprengen. Neben der verringerten Schutzwirkung kann dies auch zur Austrocknung und schnelleren Alterung der Haut führen.

#3 Übler Geruch durch zu häufiges Duschen

Wer duscht, stinkt nicht. Eigentlich müsste man den Satz anpassen, denn wer zu viel und falsch duscht, stinkt unter Umständen mehr, als wenn er seltener duschen würde. Das hat mit dem Mikrobiom Haut zu tun: die Bakterien, die auf unserer Haut leben, sorgen dafür, dass sich Bakterien und Pilze, die wir nicht auf unserer Haut haben möchten, dort nicht vermehren können. Schweiß als solcher stinkt nicht wirklich und ist sogar Teil unseres Schutzfilms auf der Haut. Zerstören wir diesen Schutzfilm durch falsches oder zu häufiges Duschen, verringern wir die Fähigkeit der Bakterien in unserem Hautmikrobiom, die geruchsbildenden bösen Bakterien zu bekämpfen. Paradoxerweise kann es also sein, dass man bei zu häufigem oder falschem Duschen mehr riecht.

#4 Falsch duschen – was soll man da bitte falsch machen können?

Bild: AdobeStock über medipharma.de

Spannenderweise: eine ganze Menge. Für Freunde der heißen Dusche kommen jetzt richtig schlechte Nachrichten: je wärmer man duscht, desto schlechter ist dies für die natürliche Flora auf unserer Haut. Je näher man an die magische Schwelle von 42° Celsius kommt, desto eher läuft man Gefahr, dass die Bakterien auf der Haut sterben, da ihre Proteine bei >42° zu denaturieren beginnen. Die meisten Dermatologen raten bei warmen Duschen zu einer Duschtemperatur von maximal 38° bei einer Duschdauer von 2-3 Minuten. Auch, 15 Minuten unter der heißen Dusche zu stehen, so angenehm sich das nach einem harten Tag auch für Muskeln und Gelenke anfühlen kann, ist im Hinblick auf das Mikrobiom Haut eher nicht anzuraten. Auch hier gilt natürlich wieder: die Dosis macht das Gift. Wer das alle paar Tage tut, gibt seiner Hautflora Zeit, sich zu regenerieren. Bei täglicher, ausgiebiger heißer Dusche allerdings hat sie genau diese Zeit nicht.

#5 Richtig duschen – was zur Hölle ist das dann?

Da scheiden sich die Geister ein wenig. Wirklich einig sind sich die Experten da nicht, aber das kennen wir ja bereits von so ziemlich jedem anderen Thema. Die meisten Dermatologen-Tipps und Ansichten hierzu lassen sich jedoch wie folgt zusammenfassen: das Duschen sollte 3-5 Minuten nicht übersteigen, dabei möglichst nicht über 35-38° warm sein und mit möglichst wenig Seife/Duschgel. Ideal sei, so mancher Dermatologe, die Nutzung spezieller Duschgels, die einen pH-Wert von maximal bis zu 6 haben, um den Haut pH-Wert nicht negativ zu beeinflussen.

#6 Gar nicht duschen ist auch keine Lösung

Wer jetzt denkt, das andere Extrem, also gar nicht zu duschen, sei gesünder, der irrt. Die Haut ist zwar bis zu einem gewissen Punkt durchaus dafür ausgelegt und dazu fähig, sich in Selbstregulation zu üben, aber das hat Grenzen. Bei kompletter Waschabstinenz bilden sich Fette und Talgüberschüsse auf der Haut, die das Wachstum von Pilzen und Bakterien begünstigen. Das wiederum ist nicht nur sozial unverträglich, weil das genau die Sorte von Mikroorganismen sind, deren Gestank eine gesunde Hautflora bekämpfen kann, sondern auch potentiell ungesund und kann zu einer Vielzahl an Krankheiten und zu Ekzemen etc. führen.

#7 Wie oft ist “zu oft”?

Das hängt primär mal davon ab, wie lange man duscht. Die meisten Dermatologen raten: wer es liebt, sehr ausgiebig und warm zu duschen, sollte das nur alle 2-3 Tage tun und an den “Nicht-Dusch-Tagen” auf sorgfältiges Waschen der üblichen Verdächtigen Achseln und Genitalbereich mit Wasser und Lappen zurückgreifen. Damit bleibt man hygienisch, gibt aber der Hautflora wertvolle Zeit, sich zu regenieren.

Wer wiederum die Duschdauer kurz hält und 2-3 Minuten mit wenig oder pH-neutraler Seife/Duschgel duscht, kann dies, da sind sich die meisten Dermatologen soweit einig, problemlos täglich duschen, ohne das Mikrobiom Haut über Gebühr zu strapazieren.

#8 Historisches über das Duschen

Griechische “Open-Air” Duschen für Männer.
Quelle: Wikipedia

Schon im alten Griechenland wurde geduscht. Häufig wurde dies über Wasserbehälter oder Zuleitungen bewerkstelligt, die natürliche Wasserfälle nachstellen sollten.In Schriftstücken des römischen Schriftstellers Plinius der Ältere finden sich Berichte, man habe Landhäuser mit Duschen ausgestattet, um deren Wiederverkaufswert zu steigern.

Das Deutsche Wort Dusche leitet sich vom frz. douche ab, welches wiederum auf das Lateinische ductio für Leitung zurückgeht. Das Duschen ersetzt heute in der westlichen Welt den früher üblichen Badetag. Noch vor 50-60 Jahren wurde in der Regel ein Mal in der Woche, häufig war dies der Samstag, ausgiebig gebadet. Im Rest der Woche wurde punktuelle Körperhygiene mit Wasser, Seife und Lappen betrieben. Das tägliche Duschen kam erst später auf.

#9 Kurioses: Duschen im Mietrecht

Laut einem Urteil des Landgerichts Köln ist es Mietern prinzipiell zu jeder Zeit des Tages gestattet, zu duschen. Also auch nachts. Das Gericht stellte in seinem Urteil 1997 fest, dass Hausordnungen, in denen Klauseln enthalten seien, die das Baden und Duschen nachts verbieten, in diesem Punkt unwirksam seien. Duschen, so urteilte das Gericht, gehöre zum sozialadäquaten Verhalten und sei Teil des hygienischen Mindeststandards und daher nicht untersagungsfähig. Durch das sozialadäquate Verhalten (Duschen) der einen Mietpartei, so führte das Gericht weiterhin aus, könne jedoch anderen Parteien durchaus ein Mietmangel entstehen.

#10 Wissenschaftliches: das Eigenleben der Duschvorhänge

Wer kennt das nicht: man duscht gemütlich und plötzlich entwickelt der Duschvorhang ein Eigenleben und ein extremes Kuschelbedürfnis. Untersucht hat dieses Phänomen David Schmidt von der University of Massachusetts, der dafür zudem mit dem sogenannten Ig-Nobelpreis, einem satirischen “Anti-Nobelpreis”, ausgezeichnet wurde. Duschvorhänge bestehen in der Regel aus PVC, Vinyl oder anderen Kunststoffarten. Werden sie am unteren Ende nicht mit Gewichten beschwert, so ziehen sie sich durch Warmluftauftrieb während des Duschens nach innen. Beim Duschen entsteht, kurioserweise ähnlich wie in einem Tornado, ein stabiler Wirbel aus Feuchtigkeit und Luft. Dieser Wirbel saugt den Duschvorhang förmlich in Richtung des Duschstrahls an. Je heißer man duscht, desto stärker wird dieser Effekt aufgrund des sogenannten Bernoulli-Effekts.

Von badidol

badidol wurde 1981 geboren. Er arbeitet seit fast 20 Jahren im und am Internet als Community Manager (fast 15 Jahre beim selben Arbeitgeber), Social Media Manager, Moderator und verkauft dabei Eskimos Kühlschränke. Er spricht fließend Sarkastisch. In der Jugend linke Socke, als junger Erwachsener eher sozialliberal und mittlerweile von konventionellen Schubladen genervt. Atheist, Pragmatiker und Realist.

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